Vorstellungsgespräch: Die wichtigsten Tipps und Tricks

Kategorie: Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräche haben ungefähr den Stellenwert von Zahnarztbesuchen. Sie sind nötig, nur nicht gerade beliebt. Manchen Kandidaten graust es sogar dermaßen vor diesem Termin, dass sich pünktlich Magengrummeln und Herzflattern einstellt. Kein Wunder: Das Bewerbungsgespräch ist eine Ausnahmesituation, in der sich innerhalb kürzester Zeit entscheidet, ob du den Job bekommst. Oder eben auch nicht. Gerade wenn es um den ersten Job nach der Ausbildung oder dem Studium geht, oder wenn du deinen absoluten Traumjob entdeckt hast, macht das die Situation nicht gerade einfacher. 

Zu dieser Nervosität gesellt sich gerne noch Ungewissheit dazu, schließlich weißt du nie, welche Situation genau dich erwarte. Kein Vorstellungsgespräch gleicht dem anderen. Manchmal sprichst du nur unter vier Augen mit deinem potenziellen Chef, manchmal wartet die ganze Kompanie auf dich und manchmal kommt ein gestriegelter Personaler daher geschneit und bemerkt als erstes den Kaffeefleck auf deinen Unterlagen.

Da gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Das Gute an Vorstellungsgesprächen ist nämlich trotz der unterschiedlichen Situationen, dass ein ungeschriebener Gesprächsknigge existiert. Egal, ob typische Fragen, ein bestimmter Ablauf oder unvermeidliche Stolpersteine: Auf die Situation eines Vorstellungsgespräches kannst du dich so gut vorbereiten, dass dich nichts mehr aus der Ruhe bringt. Stärken, Schwächen, Smalltalk oder auf Englisch? Die folgenden dreizehn Tipps verraten dir alles, was du wissen musst. So geht bei deinem nächsten Gespräch nichts mehr schief.

Inhalt

#1 Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch: Die halbe Miete
#2 Kleider machen Leute: Deine Wahl für das Vorstellungsgespräch
#3 Smalltalk im Vorstellungsgespräch: Vier wichtige Tipps
#4 Die Gehaltsverhandlung: So kannst du überzeugen
#5 Beliebte Fragen im Vorstellungsgespräch: Was sind deine Antworten?
#6 Besser nicht antworten: Bei welchen Fragen darfst du schweigen?
#7 Deine Fragen im Vorstellungsgespräch
#8 Authentizität: Das Fundament deiner Bewerbung
#9 Pünktlichkeit im Vorstellungsgespräch: Eine unterschätzte Disziplin
#10 Auftreten, Rhetorik, Details: Darauf achten Personaler wirklich
#11 Das Telefoninterview: Überzeugen beim ersten Kontakt
#12 Vorstellungsgespräch auf Englisch: Das solltest du üben
#13 Nach dem Vorstellungsgespräch: Wie geht es weiter?

#1 Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch: Die halbe Miete

Die Zeit vor einem Bewerbungsgespräch läuft häufig ähnlich ab: Zuerst herrscht große Freude über die Einladung. Der Euphorie folgen die Ernüchterung und schließlich die Nervosität. Eine Taktik, um dieses Gefühlschaos zu bewältigen, ist Verdrängung. Da wird dann erst kurz vor dem Gespräch das Unternehmen gegoogelt und ein Outfit hervorgekramt. Keine gute Idee. Denn der Erfolg hängt zu einem großen Teil von einer gründlichen Vorbereitung ab. Die folgenden vier Punkte solltest du daher spätestens einen Tag vor deinem Termin abhaken können:

  • Kenne den Job. Die meisten Hinweise auf die Tätigkeit im ausgeschriebenen Job findest du in der Stellenanzeige selbst. Allerdings lesen viele Kandidaten diese Beschreibung nur flüchtig. Diesen Fehler solltest du nicht machen. Verbinde die einzelnen Anforderungen mit konkreten eigenen Kompetenzen und lege dir so einen argumentativen roten Faden zurecht.
  • Google deinen Gesprächspartner. Auch wenn du dir dabei eher vorkommst wie 007, als 08/15: Deinen Gesprächspartner zu kennen, kann sich sehr vorteilhaft auf das Gespräch auswirken. So weißt du, in welcher Position sich dein Gegenüber in der Firma bewegt, welche Interessen er vertritt und vielleicht entdeckst du sogar Gemeinsamkeiten. Das ist das Gold des Smalltalks!
  • Notiere dir Fragen. Der Fokus auf dem eigenen überzeugenden Auftritt bringt viele Bewerber dazu, eigene Interessen und Fragen hinten an zu stellen. Da du aber schließlich nach einem erfolgreichen Bewerbungsprozess viele Jahre für diesen Arbeitgeber arbeiten wirst, solltest auch du genauestens beobachten, ob das Unternehmen deinen Wünschen entspricht. Eigene Fragen zeigen außerdem immer echtes Interesse und sind daher nie fehl am Platz.
  • Recherche über das Unternehmen. Meistens ist das Unternehmen, an das du deine Bewerbung gerichtet hast, nicht der einzige Betrieb mit diesem Tätigkeitsfeld. Es gilt also herauszufinden, warum du dich genau dort beworben hast. Wertvolle Informationen findest du auf der Website, aber auch in Fachzeitschriften, bei Bekannten und Mitarbeitern.

Indem du diese vier Punkte abhakst, hast du einen großen Schritt in Richtung Erfolg getan. Außerdem hilft die gründliche, inhaltliche Vorbereitung auch dabei, Nervosität zu überwinden, indem du dich auf das Fachliche konzentrierst.

#2 Kleider machen Leute: Deine Wahl für das Vorstellungsgespräch

Um die richtige Kleidung beim Vorstellungsgespräch ranken sich so viele Legenden, dass Bewerber sich stundenlang mit der Wahl des richtigen Outfits befassen könnten. Und wahrscheinlich wäre dann immer noch etwas falsch. Der wichtigste Tipp lautet daher: Entspannt bleiben. Es kommt hauptsächlich auf deine fachliche Eignung und deine Persönlichkeit an.

Trotzdem kann es nicht schaden, dem Dresscode des Unternehmens zu entsprechen. Gerade für dich als Bewerber ist es angenehm, nicht direkt wie ein Pfau im Hühnerstall alle Blicke auf dich zu ziehen. Oder anders herum. Mit den folgenden Hinweisen passiert dir das nicht:

  • Probiere mehrere Outfits bei dir zuhause an. Manchmal sieht Kleidung auf dem Kleiderbügel hervorragend aus, fühlt sich aber an wie ein Neoprenanzug, sobald es angezogen ist. Damit lässt sich kein entspannter Eindruck machen. Von daher: Nimm dir Zeit und wähle dein persönliches Erfolgsoutfit.
  • Generell gibt es zwei Arten von Kleidung für das Vorstellungsgespräch: Business oder Casual. Traditionelle Unternehmen und Branchen wie Banken und Anwaltskanzleien wählen häufig die Variante Business. Hier sind der klassische Anzug oder das Kostüm gefragt. Kreative Startups, junge Unternehmen und häufig auch technische Branchen setzen auf Casual. Selbst eine saubere Jeans geht da manchmal durch.
  • Informiere dich über den Dresscode im Unternehmen. Das kannst du auch wieder 007-mäßig anstellen, indem du einen kleinen Abstecher zum Unternehmen machst und beobachtest, wer wie gekleidet die Firma verlässt. Oder du fragst jemanden, der bereits dort arbeitet. So gehst du jedenfalls auf Nummer sicher.
  • Die Wahl deiner Kleidung hängt vorrangig von deinem eigenen Geschmack ab. Trotzdem gibt es bestimmte Kleidungsstücke, die statistisch bewiesen einen negativen Effekt ausüben. Große Karos beispielsweise oder Knitterfalten. Wähle lieber einen schlichten, Stil, der nicht das neueste Dampfbügeleisen erfordert.

Mit diesen vier Tipps bist du bestens vorbereitet, um auch äußerlich passend zu deinem wichtigen Termin zu erscheinen. Am besten hast du dein Outfit schon ein paar Tage vor dem Vorstellungsgespräch zusammengestellt. So fällt dir auf, falls noch etwas Wichtiges fehlt.

#3 Smalltalk im Vorstellungsgespräch: Vier wichtige Tipps

Manche Leute hassen es, manche Leute lieben es: Smalltalk. Die Kunst, unwichtige Dinge so zu sagen, dass sich dein Gegenüber trotzdem abgeholt fühlt. Diese Fähigkeit ist sehr wichtig, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Du kannst schließlich nicht direkt loslegen und einen Vortrag über deine herausragende Eignung für genau diesen Job halten.

Manchmal ist das aber gar nicht so einfach. Alle Gesichter sind neu, die Umgebung unbekannt und dabei handelt es sich auch noch um eine Prüfungssituation. Wie sollen dir da die richtigen Worte einfallen? Die folgenden Tipps helfen dir dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Dein Gegenüber!

  • Lachen baut Stress ab. Auch lächeln hilft. Ein Scherz über die katastrophale Anfahrt mit den Öffentlichen, das Eselsohr auf deinen Unterlagen oder das wieder wirklich unmögliche Wetter sind zwar nicht besonders hochgeistig, aber so brichst du das Eis. Bring dein Gegenüber zum Lachen und du hast direkt einen Stein im Brett.
  • Reden ist Silber, Fragen ist Gold. Natürlich kannst du nicht in den ersten zwei Minuten direkt drei Fragen stellen. Aber du kannst dich für deine Umgebung interessieren. Wie viele Gebäude gibt es? Seit wann ist die Firma in diesem Gebäude? Wie viele Gesprächsteilnehmer erwarten dich? Beim Gang zum Konferenzraum Fragen zu stellen, hält einerseits den Gesprächsfaden aufrecht und zeigt andererseits, dass du wirklich an dem folgenden Gespräch interessiert bist.
  • Beobachte dein Gegenüber. In diesem Fall nicht wie 007, sondern eher unauffällig. Manchmal ist es tatsächlich so, dass der Gesprächspartner genauso nervös ist, wie du selbst. Indem du den Fokus von dir weglenkst, wirst du automatisch sicherer und kannst auf Fragen besser eingehen.

Wer einmal erfolgreich war, weiß: Smalltalk ist gar nicht so schwer. Schließlich ist der Personaler auch nur ein Mensch, der die undankbare Aufgabe hat, unter wildfremden Kandidaten die bestmögliche Wahl zu treffen. Das solltest du ihm so einfach wie möglich machen: Sei, wer du bist. Und davon möglichst die beste Variante.

#4 Die Gehaltsverhandlung: So kannst du überzeugen

Smalltalk, die eigene Vorstellung, Fangfragen: Das ist alles nichts gegen den Moment der Wahrheit. Die Gehaltsverhandlung. Gerade in Deutschland fällt Bewerbern dieser Teil des Bewerbungsgespräches häufig schwer, da ungerne über Geld gesprochen wird. Allerdings ist die Höhe des Lohns in einem Unternehmen immer auch das Aushängeschild der Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Es lohnt sich also, die Scheu abzulegen und herauszufinden, wie viel du dem Unternehmen eigentlich wert bist. 

Grundlegend für dieses Vorhaben ist eine realistische Einschätzung deines Gehaltswunsches. Zu hoch, zu niedrig: Beides kann einen negativen Eindruck hinterlassen. Es gilt wieder, die im wahrsten Sinne des Wortes goldene Mitte zu finden. Das gelingt dir durch drei einfache Schritte.

  1. Finde heraus, was dein Marktwert ist. Diese Recherche kostet Zeit, lohnt sich aber spätestens dann, wenn du im Bewerbungsgespräch einen Finanzhai vor dir sitzen hast. Branchenübliche Gehälter, Gewerkschaftstabellen, online einsehbare Vergleichslisten und vor allem die Stationen deines Lebenslaufes: All dies hat einen Einfluss auf das Gehalt, was du für deine Arbeit verlangen darfst. Wissen ist an diesem Punkt bares Geld!
  2. Mach dich damit vertraut, welche Gehälter am derzeitigen Punkt deines Karrierewegs üblich sind. Du kannst in einer Branche arbeiten, in der sehr hohe Gehälter üblich sind, aber trotzdem als Einsteiger nur einen Bruchteil verdienen. Die besten Ratgeber sind dabei bereits arbeitende Kommilitonen oder Dr. Google.
  3. Übe die Gehaltsverhandlung mit Freunden und Familie. Es ist schwerer, den eigenen Marktwert argumentativ zu verteidigen, als du denkst. Auch wenn die Übungssituationen unfreiwillig meistens etwas komisch sind, hilft dir das im entscheidenden Augenblick an die richtigen Argumente zu denken. 

Gerade an diesem schwierigen Punkt gilt: Übung macht den Meister. Je häufiger du dafür einstehst, was du verdienen möchtest, desto besser werden deine Chancen. Denke auch daran, dir am besten einen Gehaltskorridor zu überlegen, dessen unterste Grenze dein Wunschgehalt ist. So lässt es sich entspannter verhandeln.

#5 Beliebte Fragen im Vorstellungsgespräch: Was sind deine Antworten?

Im Vorstellungsgespräch werden so viele Fragen an dich gerichtet, dass du manchmal aus dem Termin herauskommst wie der gelöcherte Schweizer Käse. Das ist allerdings keine Schinderei, sondern ein wichtiges Instrument des Personaler, um dich besser kennen zu lernen. Außerdem hast du so die Chance, dich gründlich vorzubereiten. Nach folgenden Fragen kannst du nämlich in fast jedem Bewerbungsgespräch die Uhr stellen:

  • Was können Sie uns denn über sich erzählen? Normalerweise werden im Vorstellungsgespräch zuerst Informationen über das Unternehmen besprochen. Direkt danach geht es um dich, deine Kompetenzen und deine Erfahrungen. Eine kurze Selbstpräsentation und Einordnung der Bewerbung in deine berufliche Laufbahn ist das, was die Personaler hören wollen.
  • Was sind Ihre Stärken? Was sind Ihre Schwächen? Auch diese Frage gehört zu den Klassikern im Bewerbungsgespräch. Aber Vorsicht: Auch wenn die Frage selbst nicht unbedingt innovativ ist, gilt es einzigartig und individuell zu antworten. Eine gute Vorbereitung zahlt sich spätestens an dieser Stelle aus.
  • Warum sollten wir gerade Sie einstellen? Auch wenn diese Frage auf den ersten Blick seltsam erscheint, schließlich würdest du sonst ja nicht im Bewerbungsgespräch sitzen, hat sie ihre Berechtigung. Denn es schreiben auch andere Arbeitgeber ähnliche Jobs aus. Was hat dich dazu bewogen, gerade an dieses Unternehmen eine Bewerbung zu richten?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren? Natürlich weiß niemand, was genau in fünf Jahren sein wird. Dennoch sollten die Pläne für deinen weiteren Berufsweg mit den Möglichkeiten der Firma zusammenpassen, für die du dich bewirbst. Das gilt es, abzuklären. Auch für deine Zufriedenheit.
  • Haben Sie noch Fragen? Diese Frage wird so sichergestellt, dass du beim Bullshit-Bingo immer ein Kreuz machen könntest. Von daher: Sorgfältig vorbereitete Fragen geben dir die Möglichkeit, auch zum Ende noch einmal mit detailliertem Fachwissen und echtem Interesse zu punkten.

Neben diesen allgemeinen Fragen gibt es je nach Fachbereich auch typische spezielle Fragen, die an dich gerichtet werden können. Auch Knobelaufgaben können dir gestellt werden, oder eine spontane Kurzpräsentation ist an der Reihe. Mit einer genauen Recherche über typische Fragen in deiner Branche bist du bestens vorbereitet.

#6 Besser nicht antworten: Bei welchen Fragen darfst du schweigen?

Manchmal ist es schwierig, bei dem Tempo der Fragen hinterher zu kommen. Und schon passiert es: Du hast auf eine Frage geantwortet und merkst, dass du diese Information lieber für dich behalten hättest. Tatsächlich ist dieses Bauchgefühl ein guter Ratgeber, denn es gibt Fragen, die du im Vorstellungsgespräch nicht beantworten musst. Das Gleichbehandlungsgesetz regelt, welche Fragen ein potenzieller Arbeitgeber generell nicht stellen darf.

So solltest du hellhörig werden, wenn sich Fragen in Richtung der Familienplanung drehen. Auch vermeintlich harmlose Gespräche über Geschwister und den eigenen Wunsch nach Nachwuchs gehören nicht in ein Bewerbungsgespräch. Selbst wenn dein Gegenüber noch so sympathisch ist. Auch Fragen zu deinem Gesundheitszustand oder zu politischen Einstellungen gehören zu den verbotenen Fragen. Auch wenn deine persönliche Einstellung tatsächlich interessant sein mag, schützt du sowohl dich, als auch deinen potenziellen neuen Arbeitgeber, wenn du über diese Themen schweigst.

Ein weiteres nicht erlaubtes Thema sind persönliche Angelegenheiten wie Vermögensverhältnisse, Vorstrafen oder Schulden. Wenn du dich nicht auf einen Job bewirbst, in dem du mit der Verwaltung von Vermögen arbeiten wirst, sind diese Informationen irrelevant für das Gespräch. 

Nicht immer ist die Ansprache eines dieser heiklen Themen allerdings auf die böse Absicht deines Gesprächspartners zurück zu führen. Sollte dir also im nächsten Gespräch eine solche Frage gestellt werden, gilt es, den kühlen Kopf zu bewahren und folgende Strategie anzuwenden:

  1. Prüfe, ob die Frage Relevanz für deinen Job hat. Das kannst du einfach herausfinden, indem du den Inhalt der Frage mit den Aufgaben, die dir anvertraut werden, in Bezug setzt.
  2. Wenn die Frage zu den verbotenen Fragen gehört und keinen Bezug hat, kannst du deinen Gesprächspartner direkt aber höflich auf seinen Fehler ansprechen.
  3. Beobachte das Verhalten des Gegenübers. In den meisten Fällen handelt es sich tatsächlich um ein Versehen, das direkt korrigiert wird. Manchmal jedoch ging es auch genau um diese Information. Das erkennst du daran, dass dein Gegenüber Unwissenheit vortäuscht und nicht lockerlässt.
  4. Entscheide dich über dein weiteres Vorgehen. Im Falle eines Versehens kannst du normal weiter am Gespräch teilnehmen. Handelt es sich um Vorsätzlichkeit, kann es eine gute Idee sein, das Gespräch zu beenden und Konsequenzen zu ziehen.

Verbotene Fragen sind generell ein heikles Thema im Bewerbungsgespräch. Die beste Vorbereitung ist eine gründliche Information über deine Rechte und die Pflichten deines Gegenübers. So kannst du im Ernstfall sicher auftreten, was einiges an Nervosität nimmt.

#7 Deine Fragen im Vorstellungsgespräch

Eigene Fragen im Bewerbungsgespräch sind wichtig und werden häufig unterschätzt. In vielen Gesprächen wirst du rein rhetorisch nach deinen eigenen Fragen befragt, eine richtige Antwort erwartet kaum noch jemand. Falls du genau dann mit intelligenten, detaillierten und fachbezogenen Fragen auftrittst, hinterlässt das einen positiven bleibenden Eindruck. Schwierig ist es allerdings, Fragen aus dem Affekt heraus stellen zu wollen. Zwar ergeben sich manchmal direkt im Gespräch Fragen, die allerdings meistens organisatorischer Natur sind.

Auch diese Fragen wie der weitere Bewerbungsablauf, die Zeit bis zur Entscheidung oder auch die Gehaltsfrage sind wichtig. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Fragen, die dein tatsächliches Interesse am Unternehmen betreffen. Direkt im Gespräch werden dir diese Fragen nicht einfallen. Deswegen ist es wichtig, sich vorzubereiten:

  • Welche Größe wird das Team haben, indem du arbeiten wirst? Du zeigst mit dieser Frage, dass du die Wichtigkeit eines Teams für den Arbeitserfolg verstanden hast. Lass dir bei kleiner Teamgröße auch gerne die einzelnen Mitarbeiter beschreiben.
  • Wie sieht ein normaler Arbeitstag in diesem Unternehmen aus? Diese Frage stellt sich jeder Kandidat, der einen neuen Job beginnt. Warum also diese Frage nicht direkt im Gespräch klären.
  • Wie viele Dienstreisen erwarten dich? Wirst du viel unterwegs sein? Es ist wichtig, diese Frage direkt zu Beginn zu klären. So wissen beide Seiten, ob Erwartungen erfüllt werden können oder vielleicht doch Unzufriedenheit entstehen könnte.
  • Wie würde dein Gesprächspartner das Arbeitsklima beschreiben? Das ist zwar eine ungewöhnliche Frage, aber trotzdem eine sehr interessante. Das Arbeitsklima sagt viel über den möglichen Erfolg deiner Arbeit aus. Lass dich an diesem Punkt überzeugen, statt selbst überzeugen zu müssen.
  • Welche konkreten Aufgaben werden dir zu Beginn des neuen Jobs übertragen? Du kannst zwar schon viele Informationen aus der Stellenanzeige entnehmen, dennoch ist eine Erklärung in vielen Fällen noch hilfreicher, um eine gute Entscheidung fällen zu können.

#8 Authentizität: Das Fundament deiner Bewerbung

Viele wissen es, kaum jemand spricht darüber: Bewerbungen haben manchmal mit der Realität so viel gemeinsam, wie ein Ferrari mit einem Fiat. Beides bringt einen von A nach B und trotzdem gibt es große Unterschiede. Und genauso bei Bewerbungen: Manch ein Zeugnis strotzt nur so von gewaltigen Redewendungen, was allerdings wirklich dahintersteckt, findet der Personaler erst im Gespräch heraus.

Für dich gilt daher: Mit einer ehrlichen und authentischen Bewerbung erreichst du mehr, als mit einem aufpolierten Stapel an Dokumenten. Die Devise ist nämlich nicht, den Job zu bekommen, sondern ihn tatsächlich auch gut zu machen.

Der entscheidende Unterschied liegt für Personaler aus diesem Grund nicht auf allen deinen Erfahrungen, sondern auf deiner Eignung, die auf dich zukommenden Erfahrungen zu meistern. Das vermittelst du, indem du praktisch erklärst, wie genau du ein Projekt angehen oder eine Aufgabe erledigen könntest. Ohne Fachwörter und so, dass selbst ein Azubi von dir lernen könnte.

#9 Pünktlichkeit im Vorstellungsgespräch: Eine unterschätzte Disziplin

Während die einen Kandidaten bereits drei Wochen vorher alle verfügbaren Anfahrtsmöglichkeiten abgescannt haben und sich zwischen dreißig und zwanzig Minuten zu früh nicht entscheiden können, googeln die anderen Kandidaten eine halbe Stunde vor dem Bewerbungsgespräch, wie sie denn an diesen Ort gelangen könnten. Weder die eine Variante, noch die andere ist besonders vorteilhaft. Die folgenden Argumente zeigen dir, warum Pünktlichkeit einiges über dich als Bewerber aussagt:

  • Zeitmanagement. Menschen, die gut mit ihrer Zeit umgehen können, halten Fristen meistens recht genau ein. So verschwenden sie keine Zeit, kommen aber auch nicht in Eile. Und genau von dieser Einstellung träumt jeder Personaler.
  • Wichtige Menschen (oder die, die sich dafür halten) kommen oft zu spät. Überpünktliche Personen dagegen wollen alles richtig machen und werden dabei schnell übereifrig. Eine gesunde Arbeitseinstellung sieht anders aus. Nämlich pünktlich.
  • Brauchst du den Job? Auch wenn es sich um deinen absoluten Traumjob handelt: Eine halbe Stunde vor dem Termin zu erscheinen zeigt, dass du ihn wirklich nötig hast. Allerdings ist es auch eine gute Idee zu signalisieren, dass du immer noch selbst entscheiden möchtest. Genauso für die Zuspätkommer: Wie wichtig ist dir der Job?

Das sind nur einige Beispiele für die Assoziationen von Unpünktlichkeit in beiden Richtungen. Weder noch ist hier die Devise, sondern die berühmte Punktlandung. Und wenn du dafür bei drei Grad Minus noch eine Runde vor dem Unternehmen drehen musst.

#10 Auftreten, Rhetorik, Details: Darauf achten Personaler wirklich

Viele Bewerber machen den Fehler und geben nach einem Fauxpas direkt auf. Sei es der Handschlag, der irgendwie schiefgelaufen ist, die Verspätung oder das unpassende Thema für den ersten Smalltalk: Wie kannst du jetzt das Ruder noch herumreißen? Tatsache ist, dass Personaler sich selten von Eindrücken leiten lassen. Natürlich spielt auch Sympathie eine Rolle, aber letzten Endes wird die Entscheidung auf der Basis einer langen Liste an Fakten getroffen. Das Vorstellungsgespräch trägt dazu bei, ein Gesamtbild zu bekommen. Dabei achten Personaler besonders auf drei Dinge:

  1. Dein Auftreten. Grüßt du alle Personen, denen du begegnest oder nur die „Wichtigen“? Wie selbstsicher bewegst du dich in einem Umfeld, das dir fremd ist? Wie gehst du mit schwierigen Fragen um und welche Strategie wählst du, um zu überzeugen? 
  2. Rhetorik. Die Fähigkeit, sich ausdrücken zu können ist in vielen Berufen maßgeblich entscheidend. Genau das wird daher im Vorstellungsgespräch genau beobachtet. Einsilbige Antworten, langatmige Ausführungen oder kurze prägnante Ausführungen: Mit deiner Entscheidung hast du die Möglichkeit, positiv aufzufallen.
  3. Details. Dieser Schwerpunkt hat viel mit deinem authentischen Auftreten als Bewerber zu tun. Kannst du viele Anekdoten aus deiner praktischen Erfahrung erzählen? Steigst du bei Firmeninterna mit ein und bist in der Lage, aus dem Stand nach einem Detail zu fragen? Konzentration ist hier das Mittel der Wahl, um auf ganzer Linie zu überzeugen.

#11 Das Telefoninterview: Überzeugen beim ersten Kontakt

Besonders große Unternehmen erhalten auf Ihre Stellenausschreibungen nicht selten hunderte Bewerbungen. Selbst eine erste Auswahl hilft dem Personaler nicht dabei, einen Personenkreis einzugrenzen, der zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird, da dieser Prozess zu zeitaufwändig wäre. Aus diesem Grund gibt es vorab Telefoninterviews, um die generelle Eignung zu prüfen, offene Fragen zu klären und den Kreis der Kandidaten weiter einzugrenzen.

Aber auch, wenn du dich um einen Job bewirbst, der außerhalb deiner Reichweite liegt, ist ein Telefoninterview meistens das Mittel der Wahl. Die wichtigste Regel lautet daher auch: Nimm diesen Termin ernst. Häufig wird der telefonische Kontakt unterschätzt, obwohl dieselben Inhalte wie im persönlichen Gespräch abgefragt werden können. Die folgenden Tipps helfen dir dabei, dich auf diesen wichtigen Termin perfekt vorzubereiten:

  • Übung macht den Meister. Fast jeder hat schon einmal ein persönliches Vorstellungsgespräch gemeistert. Beim Telefonischen dagegen gibt es Hürden und Tücken, die du kennen solltest. Frag deine Freunde oder Familie, ob sie mit dir gemeinsam ein paar Anrufe üben könnten. Im schlimmsten Fall trainiert das die Lachmuskeln, im besten Fall hilft es dir in der konkreten Situation weiter.
  • Erwarte einen Überraschungsanruf. Das zeugt zwar nicht unbedingt von Professionalität, wird aber von Personalern immer wieder gerne genutzt. Es gilt daher, das Gespräch möglichst frühzeitig vorzubereiten. Und: Wenn du dich gerade in einer ungünstigen Lage befindest, geh nicht an dein Telefon, sondern rufe lieber zurück.
  • Überprüfe vor dem Termin dein Handy oder Festnetztelefon. Hast du Empfang? Hast du es auf laut geschaltet? Sind alle anderen Benachrichtigungen deaktiviert?
  • Hintergrundlärm sollte so weit wie möglich vermieden werden. Ein telefonisches Bewerbungsgespräch ist sowieso nicht einfach und sollte daher so störungsfrei wie nur möglich verlaufen.
  • Erwarte einen überraschenden Videoanruf. In Zeiten der Digitalisierung kann es passieren, dass der Personaler dich nicht nur hören, sondern auch sehen möchte. Achte daher auf professionelle Kleidung und ein passendes Umfeld.

#12 Vorstellungsgespräch auf Englisch: Das solltest du üben

In einer Stellenanzeige werden in den häufigsten Fällen konkrete Anforderungen aufgelistet. Wenn diese Punkte auch in deinem Lebenslauf zu sehen sind, fällt die Entscheidung zu einer Bewerbung leicht. Womit die meisten Bewerber allerdings nicht rechnen, ist eine direkte Überprüfung dieser Kenntnisse im Vorstellungsgespräch, besonders im sprachlichen Bereich.

Auch wenn du dich auf Englisch problemlos verständigen kannst und schon längere Zeit im Ausland warst: Das ist keine Garantie dafür, dass der Wechsel ins Englische im Bewerbungsgespräch reibungslos funktioniert. Die meisten Kandidaten sprechen zwar gutes Englisch, Fachenglisch ist allerdings eine ganz andere Herausforderung. Zusammen mit der generell stressigen Situation kann das schnell zu einem Blackout führen.

Bei verdächtigen Formulierungen in der Stellenanzeige gilt es also, dich gezielt vorzubereiten. Auch hier ist eine Trockenübung vor dem wichtigen Termin eine gute Idee. Und wenn es nur der Spiegel und Du sind. Englische Bücher über dein spezielles Fachgebiet sind eine hervorragende Vorbereitung. Aber auch englische Filme und Fachzeitschriften. Gerade für das Vorstellungsgespräch sind noch zwei weitere Punkte wichtig: Erstens solltest du deinen Lebenslauf auf Englisch fließend erklären können. Und zweitens kann dich der schnelle Wechsel vom Englischen ins Deutsche stocken lassen. Das kannst du einfach üben, indem du Texte, Videos oder Ähnliches übersetzt. Mal in die Eine, mal in die andere Sprache.

#13 Nach dem Vorstellungsgespräch: Wie geht es weiter?

Direkt nach dem Vorstellungsgespräch ist die Erleichterung groß, besonders wenn es richtig gut gelaufen ist. Das hält vielleicht zwei Tage an, bis sich die Gedanken anfangen um die eine Frage zu drehen: Bekommst du den Job? 

Eine gute Idee ist es daher, direkt am Ende des Gespräches zu klären, wie das weitere Prozedere aussieht. So weißt du genau, wann du Bescheid bekommst und ersparst dir die nervenaufreibende Warterei. Aber auch dann kann es manchmal passieren, dass einfach keine Nachricht kommt. Das kann mehrere Gründe haben:

  • Dein zukünftiger Arbeitgeber muss eine finale Zustimmung eines Vorgesetzten oder eines Gremiums einholen. Dieser Vorgang kann viel Zeit in Anspruch nehmen, besonders wenn es sich um ein großes Unternehmen handelt.
  • Ein anderer Kandidat hat seinen Termin verschoben. Der Fairness halber wird der Personaler warten, bis auch dieser Kandidat die Chance hat, sich ausreichend vorzustellen.
  • Krankheit, Urlaub und andere Umstände verzögern manchmal den Bewerbungsprozess. 

Keine Rückmeldung bedeutet also nicht direkt das Aus. Um dich aber in Erinnerung zu bringen, ist es immer gut, eine Mail spätestens drei Tage nach dem Vorstellungsgespräch zu versenden. Darin kannst du dich für das interessante Gespräch bedanken und dein weiterhin bestehendes Interesse betonen. Wenn trotzdem innerhalb von zwei bis drei Wochen immer noch keine Rückmeldung da ist, kannst du dich durch eine weitere Mail nach dem Stand der Dinge erkundigen.

Es gehört zum guten Ton von Unternehmen, sich bei allen Kandidaten zu melden und eine klare Zu- oder Absage zu versenden. Wenn das nicht der Fall ist, verrät dir das Einiges über die Unternehmenskultur. In diesem Fall ist abhaken und dankbar sein die beste Entscheidung.

Hinweis: Unsere Artikel richten sich an alle Geschlechter. Für eine leichtere Lesbarkeit verwenden wir jedoch das generische Maskulinum. Deine stellenwerk-Redaktion.


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Über die Autorin: Sofia Nelles ist waschechte Digital Native und Masterstudentin an der HAW Hamburg. Sie ist begeistert von fertigen To-Do-Listen, gutem Wetter in Hamburg und Out-of-the-Box Ideen.